Sonntag, 15. April 2018

Abgeschnitten und allein gelassen

Das verstörendste an Südafrika sind die Gegensätze. Auf der einen Seite hat man die unfassbaren Wunder der Natur, auf der anderen Seite die ebenso wenig fassbare Hässlichkeit von Armut und Gewalt. Auf der einen Seite erlebt man ein Land, in dem Menschen im Wohlstand leben und alle "Errungenschaften" von Luxus und technischer Entwicklung verfügbar sind, andererseits lebt man neben Menschen, für die keine Grundversorgung haben.

Am vergangenen Donnerstag waren wir auf unserem outreach und besuchten einige Häuser, als uns drei Frauen ansprachen und baten in ein Haus zu kommen, wo ein kranker Junge lag.
Sie baten uns für ihn zu beten. Als wir in die kleine Hütte kamen, erschraken wir. Auf dem kahlen Boden lag dürftig zugedeckt ein junger Mann, offensichtlich nicht mehr ansprechbar. Die Mutter saß verzweifelt und lethargisch daneben. Wir fragten, ob sie den Krankenwagen gerufen hatten. Sie sagten uns, dass sie das seit morgens versucht hatten. Wir beteten für den Jungen und riefen dann die NOTRUFnummer 112. Fast zehn Minuten(!!!)  mussten wir uns durch automatische Ansagen und verschiedene Anschlüsse kämpfen, bis wir schließlich im Krankenhaus in Dundee gelandet waren. 
Sie versprachen einen Krankenwagen zu schicken.
Obwohl wir der Stimme in der Leitung nicht ganz trauten, hofften wir, dass damit etwas erreicht wäre und die drei Frauen gingen zur Straße um Ausschau zu halten. Wir gingen unseren Weg weiter, denn mittlerweile hatten sich fast 30 Kids um unser Auto versammelt, die mit uns zum "Kids Club" fahren wollten, der der Höhepunkt des Outreaches ist.
Doch am nächsten Tag fuhren wir mit einem Essenspaket für die Mutter wieder in das Township. Wir erfuhren: Der Krankenwagen war nicht gekommen.
Der Junge hatte dennoch die Nacht überlebt und irgendwie haben es die Nachbarn geschafft, Hilfe zu organisieren, so dass die beiden den Weg zum Krankenhaus geschafft haben.

Denn wir wissen nicht was wir beten sollen, wie`s sich gebührt, sondern der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen. Römer 8,26

Indiscribable

Man...die Auswahl fiel schwer.
Wir haben so viele Wunder der Schöpfung gesehen in unserem Urlaub im Krüger Nationalpark und in St. Lucia, dass wir euch 5 Stunden hätten zeigen können.

Nun sind es 5 Minuten geworden - ihr müsst sie euch anschauen, denn sie sind indiscribable... ;)

Dienstag, 10. April 2018

Familie zu Besuch

Ein ganz großes Geschenke bereiteten uns allen Danas Eltern Silvia und Wolfgang aus Leipzig mit ihrem Besuch. Eine ganze Woche blieben sie in Melusi und stellten sich mit uns in dieses Spnnungsfeld von Armut und Rechtum, Glaube und Leid, Mission und Lebensalltag. Sie begleiteten uns auf zwei Outreaches und ließen sich auch durch den Gottesdienst am Sonntag trotz Sprachbarriere spürbar bewegen.
Anschließend erkundeten wir gemeinsm den Krüger Nationalpark (6 Tage) und St Lucia am indischen Ozean (5 Tage). Wunderschöne Fotos entstanden, die wir euch hier auch zeigen werden. Ein ganz besonderes Highlight gibt es als Vorgeschmack: 

Die Begegnung mit einem Elefantenbaby

Zwischen einer großen Elefantenherde tauchte plötzlich dieser kleine Elefant auf. Sicher höchstens wenige Wochen alt und heftig damit beschäftigt, seine Gliedmaße zu koordinieren.
Schon eine halbe stunde nach der Geburt können die etwa 100kg schweren Babys stehen und müssen dann mit der Elefantenherde mithalten - denn diese läuft den ganzen Tag durch Büsche und Sträucher um ihren Tagesbedarf an 250kg Pflanzen zu decken. Das jedenfalls bleibt dem Baby erstpart. Im ersten Lebensjahr darf es noch bei Mama trinken - wenn er sie denn findet...



Samstag, 10. März 2018

Jarons Gruß an die 3d

Nachdem die Grundschulklasse von Jahron ihm gemeinsam einen etwas 20Seitigen Brief nach Südafrika geschickt hat, möchten wir uns revangieren.
Wir haben mit Jaron einen Film zusammengeschnitten, der viele seiner Highlights enthält. Wahrscheinlich hätten wir auch 90 Minuten zusammen bekommen - aber wir haben uns dizipliniert. Hier könnt ihr in knapp 17 Minuten in Jahrons afrikanische Welt eintauchen...


Mittwoch, 21. Februar 2018

In die Einsamkeit berufen


Lesotho. Inselstaat in den Bergen, lückenlos umschlossen von Südafrika. Mit einer Höhenlage zwischen 1390 und 3482m gilt es als höchstes Land der Erde.
Hier findet man den höchsten Berg, die höchste Passstraße und auch die höchste Kneipe des südlichen Afrikas.
Auf der Höhe von 3200m leben Terry und Martin.
Sie haben einmal in unserem Haus in Melusi gelebt, aber schon vor 17 Jahren mit ihren beiden Kindern Dundee verlassen, um in Pretoria in einem äußerst gefährlichen Township ein bemerkenswertes Projekt aufzubauen, das einst sogar vom US-Amerikanischen Senat gewürdigt wurde.
Doch vor 8 Jahren gaben sie das Projekt in andere Hände, weil Gott sie mit deutlichen Zeichen dazu berief nach Lesotho zu ziehen. Folgt ihr mir nach? Auch in die Einsamkeit Lesothos? Terry und Martin beantworteten diese Frage mit „Ja!“.
Die Hirten in den Hochebenen liegen ihnen am Herzen. Ein Junge jeder Familie, zumeist der Erstgeborene, hat die Aufgabe auf die Tiere aufzupassen. Die Schafe und Ziegen ernähren meist die ganze Familie, denn viele Haushalte sind reine Selbstversorger. Jedoch wachsen in diesen Höhen nur wenige Pflanzen. Daher werden die Tiere nicht in den Dörfern geweidet, sondern, fast wie bei Heidi und dem Ziegenpeter, über die kargen Berghänge geführt.
Mit vier Jahren beginnt seine Ausbildung indem er mit einem älteren Hirten mitzieht. Eine Schule besucht ein Shepherdboy nie. Mit etwa 10 Jahren ist er dann alt genug, um auf seine eigene Herde zu achten.
Sie schlafen in kleinen Unterschlüpfen, ernähren sich zwei bis dreimal täglich von Maisbrei und kommen nur hin und wieder in die Dörfer zu ihren Familien.
Für diese Hirten da zu sein, für sie zu beten, einen Schulraum zu bauen, in dem sie lesen, schreiben und rechnen lernen, und eine kleine Kirche, in der sie Gott begegnen können – dieses sind Gedanken und Träume, die Terry und Martin mit ihrer Mission verbinden.
Doch das Leben ist hart. Auch im Sommer frostet es in der Nacht, im Winter fallen die Temperaturen auf weniger als -15 Grad. Ist man weiter als 2-3 Meter vom kleinen Heizofen entfernt, friert alles ein, das nicht isoliert im – ausgeschalteten – Gefrierschrank verstaut ist. Den Heizofen zu bestücken ist ein weiteres Problem, denn man lebt schließlich fast 1000m oberhalb der Baumgrenze. Der nächste Einkaufsladen ist eine Stunde entfernt, bis zu einer Stadt fährt man 3-4 Stunden.
Also wird das Meiste selbstangebaut – mit viel Aufwand gewinnen sie dem Boden Möhren, Erbsen, Kürbis, Spinat, Kräuter und sogar Kartoffeln ab. Geerntet wird einmal, nach 4 Monaten Vegetationszeit, danach wird alles verarbeitet und eingefroren – es muss das ganze Jahr reichen.
Zum Glück zeigte Gott ihnen eine äußerst zuverlässige Wasserquelle auf dem von ihnen in Erbpacht erworbenen Berg, 900m von der Hütte entfernt. Auch ihre Schafherde hat mittlerweile eine stabile Größe. Zwei Schweine, zwei Küheund einige Hühner komplettieren den Tierbestand.Ein bis zweimal im Jahr besucht eine Gruppe aus Melusi die Beiden. Timon durfte zu dieser sechsköpfigen Gruppe gehören. Wer, wie Pastor Peter und Angeline, jährlich kommt, kann bezeugen, wie sich die Mission weiterentwickelt hat, wie Ställedie gebaut wurden, eine Solaranlage entstand, Gästehütten entstanden, die Herde wuchs
Doch vom Schulraum liegt bisher nur das Fundament und auch die Kirche muss noch warten. Auf Mitbewohner in der Carmel Community hoffen die beiden ebenfalls noch. Das wirft Fragen auf:

Sind sie enttäuscht, dass es nicht schneller vorangeht? Nun, sagen sie, dass sei schließlich Gottes Sache - das Tempo bestimmt er.
Zweifeln sie an dem Ruf? Nein, nicht ein einziges Mal.
Blick auf die Mission (Kleine Gebäude in der Bildmitte)
Und ist die Einsamkeit nicht eine schwere Herausforderung? Nun, das ist sie schon. Die Menschen fehlen ihnen. Doch andererseits sei auch noch nie in ihrem Leben Gott so präsent, so nah gewesen wie in diesen knapp acht Jahren in der Einsamkeit.
Und das letztendlich ist ja auch schon genug als Grund dafür, berufen zu sein.

Visionär mit Durchaltevermögen. Martin schaut hier jedoch nach Schakalen....

Blick aufs Schlafzimmer in der Hauptscheune
Lesotho - Land in den Wolken
Jessica, Tochter von Terry und Martin, die nach 7 Jahren Lesotho nun wieder in Dundee lebt


Legendärer Sani Pass: Unser Weg hinab

Der Sani Pass











Sonntag, 11. Februar 2018

Boys Camp

Nur gut eine Woche Anmeldezeit. Nur mit schriftlicher Anmeldung. Nur Jungs zwischen 11-14 Jahren. Nur Teilnehmer aus zwei der 6 Townships, die wir besuchen...

trotz all dieser Beschränkungen kamen 67 Teilnehmer und 9 "Descipels" (Helfer) zu unserem Boys-Camp vom 9.-11. Februar nach Melusi.
Einige meldeten sich schon deshalb begeistert an, weil sie hörten, dass es in Melusi Duschen gibt. Und richtige Betten.
Allerdings hatten wir für diese Anzahl von Kids nicht genug Betten - so dass die Jungs einfach zu zweit in ein Bett gelegt wurden. Was jedoch immernoch deutlich komfortabler war, als dass was sie normalerweise kennen.
Das Programm hieß: "Du bist ein Prinz". Ein Gotteskind und es ging u.a. um die Geschichten von Esther, Moses und den verlorenen Sohn.
Dazwischen gab es aber natürlich auch viel Fußball, Spiele, Kleingruppengespräche, verschmierte Zahnpasta auf den Gesichtern von schlafenden Jungs, basteln mit Draht, der zuvor aus alten Elektrogeräten etc. gewonnen wurde und genug Essen für alle. Ein Höhepunkt war tatsächlich der gemeinsame Lobpreis - was für ein Erlebnis, wenn Jungs in diesem Alter aus voller Seele singen und tanzen!
Am zweitenAbend dann war der Akku leer. Der Videofilm vom "Prince of Egypt" wurde zum Schlafhelfer. Etwa 70% der Jungs hatten sich kreuz und quer auf dem Boden ausgebreitet. Allerdings nur um neue Kraft zu sammeln für die nächste Zahnpasta-Schlacht in der Nacht.

Abgeschnitten und allein gelassen

Das verstörendste an Südafrika sind die Gegensätze. Auf der einen Seite hat man die unfassbaren Wunder der Natur, auf der anderen Seite die ...